"Verzweiflungstat" als Ausgangspunkt für Broschüre

Mit einem besonderen Knüller wartet der Verein für Heimatkunde zu Petershagen und Eggersdorf am Tag des offenen Denkmals auf. Er bietet am Sonntag im geöffneten Büdnerhaus beinahe druckfrische "Bausteine zur Heimatkunde" an. Wer nicht zu spät kommen möchte, wenn die Auflage von 200 Exemplaren verkauft wird, sollte sich besser diesen Termin vormerken.
100 Jahre nach dem Erscheinen der Giertzschen Chronik "Bausteine zur Geschichte des Barnim sowie seiner Dörfer Petershagen und Eggersdorf" hat der Heimatkundeverein damit eines seiner Satzungsziele erfüllt. Er versuchte sich in einer ersten Fortsetzung dieses umfangreichen und akribisch zusammengestellten Werkes. Sogar die Auflagenhöhe behielt der gerade einmal fünf Jahre junge Verein bei: 200 Stück.
Vom Herausgeber Heimatkundeverein als broschürte Reihe angelegt, erklärt das Wort "Bausteine" im Titel zudem die Herangehensweise der Autoren. "Wir sind keine Chronisten. Das wäre auch noch zu früh", so der Vereinsvorsitzende Rolf Hartung. "Wir betreiben Heimatkunde, wie es unser Vereinsname sagt, wollen Stück für Stück unsere Geschichte erleb- und nachvollziehbar machen."
Die Bausteine, eine offene Form, sind als Fortsetzung gedacht. Diese Art der Veröffentlichung soll es Lesern ermöglichen, mit eigenen Erinnerungen, Erlebnissen und Geschichten an den Verein he­ranzutreten. "Während jetzt zunächst sieben Mitglieder als Autoren in Erscheinung treten, könnten wir so vielleicht noch viel mehr Bürger aus dem Ort einbeziehen", ist Bärbele Buchmann gespannt auf Reaktionen nach Verkauf des Buchs. Mancher kenne weitere Zeitzeugen, und diese wieder andere …
Denn die ersten zwischen zwei Paperback-Deckel geklemmten Fragmente sind gewissermaßen das Resultat einer "Verzweiflungstat" vor einem Jahr gewesen, wie Monika Kläne, Gisela Röglin, Hannelore Raasch und die anderen berichten. Wo sollte begonnen werden? Dazu das immer näher rückende Jubiläumsdatum. "Es war wie beim Zimmertapezieren", so Hannelore Raasch. "Wir haben einfach angefangen." Das Ergebnis liegt vor und soll ermutigen. Sicher auch zum Kauf, aber vor allem zum Nachdenken über selbst erlebte Geschichte im Doppeldorf und zum Beisteuern eigener Erinnerungen.
Denn auf die einleitenden Worte des Vereinsvorsitzenden oder an Giertz Erinnerndes von Dr. Holger Krahnke folgen neben fundiert Zusammengetragenem zur Entwicklung des Berliner Vorortes auch Befragungen von Zeitzeugen, Familiengeschichte am Beispiel des Eggersdorfer Seeschlosses, Splitter aus Bauakten zum Ausbau der Hennickendorfer Straße oder die Berufsstruktur im Spiegel des Adressbuchs.
Ein Anfang, der zum Weitermachen anregt. "Denn auflösen werden wir uns nicht wie damals der extra zur Herausgabe der Chronik gegründete Verein 1905", sagt Vereinsvorsitzender Rolf Hartung. Der Arbeitsstand am Büdnerhaus, der am Sonntag von 10-16 Uhr ebenso wie das Keramikmodell des Ortskerns beschaut werden kann, lässt eindeutig darauf schließen.

Quelle: Märkische Oderzeitung Freitag, 09. September 2005