Mit dem Hund zur Heimatforschung


"Wussten Sie, dass der Petershagener Mierwerder eine Insel ist?" Wenn Bärbel Buchmann das fragt, hat sie den Gast oder Zuhörer meist sofort aufgeschlossen. Der Mierwerder liegt in Petershagen um die Ecke. Er ist als Straßenschild geläufig. Von hier aus schweift der Blick übers Feld und grüne Wiesenraine. Aber eine Insel?
Am Mierwerder Weg steht Bärbel Buchmanns Wohn- und Geburtshaus. Von hier aus streifte die inzwischen in den Ruhestand getretene Technikerin mit dem Hund durchs Terrain. Jeder Spaziergang brachte Erkenntnisse, die das Bild vom historischen Mierwerder deutlicher werden ließen. Der Graben, der sich letztlich um den gesamten Mierwerder schwingt, das Mühlenfließ, in das dieser mündet. Der Mierwerder ist von Wasser eingekreist - ein Werder, eine Insel im Fluss, ein Landstrich zwischen stehenden Gewässern.
Drei Jahre ist es erst her, dass Bärbel Buchmann ihre Leidenschaft für die örtliche Historie entdeckte und im Verein der Heimatkunde zu Petershagen und Eggersdorf einen engagierten Wirkungskreis fand. Mit 60 kaufte sie sich einen Computer, damit die ausgeliehenen alten Fotos gescannt werden können, versenkte ihren Kopf in Kirchenbücher und die Giertz-Chronik, studierte alte Karten, entdeckte immer mehr spannende Details. "Der Mierwerder - eine kleine Insel am Urstromtal" ist der Extrakt ihrer Forschungen und hat als Vortrag vor den Heimatfreunden längst seine Premiere erlebt.
Doch eins kam zum anderen. Beim Lesen und Befragen war die Petershagenerin immer wieder auf Menschen gestoßen, deren Namen die Chronik schon als Pfälzer Kolonisten festhielt. Bis 1742 zurück verfolgte Bärbel Buchmann mit nahezu kriminalistischem Spürsinn die Spuren der Körpers oder Madels, der Porths und Brunners und erstellte sieben Ahnentafeln. Bescheiden sagt sie: "Ich glaube, die Familien haben sich sehr darüber gefreut."
Immer wieder tauchten bei den Gesprächen auch die alten Flurnamen auf, an denen man sich ohne fest gebaute Straßen orien­tierte, den Schäfer-, den Priesterwiesen, der Frauenheide, der Wüste. "Davon wollen wir demnächst im Heimatverein eine Karte erstellen", erzählt die agile Frau und ist damit schon beim nächsten Thema, dem Büdnerhaus.
Durch die Initiative der Vereinsmitglieder wird das älteste Gebäude von Petershagen bewahrt und ersteht als Heimatmuseum neu. Wie es von Pfarrer Approt erbaut, wie das Fachwerkgerippe einst an die heutige Stelle verfrachtet wurde und deshalb nicht abbrannte, wer alles darin gelebt hat - das wollen Bärbel Buchmann und die Heimatvereinsmitglieder zeigen.
Geschichte nachvollziehbar, erlebbar, anfassbar machen. Identität stiften. Im Heimatkundeunterricht, bei der Lehrerfortbildung, Führungen im Ort, Klassentreffen, Wanderungen. Wie am Samstag zur Mühlentour.
Quelle: Märkische Oderzeitung Donnerstag, 17. Juni 2004